Samstag, 29. April 2017
Die Bibel

"Die Liebe zu Jesus Christus soll wachsen wie ein Baum, in dessen Schatten wir alle stehen."

Ursprung des Alten und Neuen Testaments
Nicht ein einziges Wort des Alten oder Neuen Testaments wurde zuallererst in der griechischen oder in einer anderen europäischen Sprache niedergeschrieben. Die Meinung, Jesu Lehre sei ursprünglich griechisch aufgezeichnet worden, geht zweifellos auf einen gewissen Antisemitismus zurück. Seit der Zeit von Kaiser Konstantin's I. Bekehrung, also weit ungefähr dem Jahre 320 n. Chr., wurden in Europa immer wieder Versuche unternommen, das Christentum zu verwestlichen; aber alle misslangen und hatten nur Streit, Zersplitterung und Hass zu Folge.

Die Griechen entliehen sich nicht nur ihr Alphabet von den Semiten (Aramäer) und die Grundlage ihrer Kultur aus dem Nahen Osten; auch den Namen für den ganzen Kontinent Europa - semitisch; ereb = dunkel - übernahmen sie laut ihren Sagen von Europa, der nach der Kreta, resp. Böotien entführten Tochter des Königs Agenor von Tyrus in Phönizien. Ebenso sind viele "griechische" Fabeln, wie z. B. die des Äsop, orientalischen Quellen entlehnt. Dasselbe ist mit dem aus dem Nahen Osten stammenden Christentum der Fall.

In jedem Lande werden die Urkunden beliebter Lehren stets in der Umgangssprache des dortigen gemeinen Volkes verfasst, in der und dem sie verkündet werden. Dies gilt auch für die heiligen Schriften, die nie und nirgends in einer landesfremden Sprache festgehalten wurden. Wer in den Bibelländern Christen fragen würde, in welcher Sprache das Alte und Neue Testament anfänglich aufgezeichnet wurde, wird unmittelbar zur Antwort erhalten: "In der aramäischen, in der Sprache, in welcher Jesus, seine Jünger und die unmittelbaren Nachfolger sich ausdrückten und die sie schrieben". Dies war die Sprache der Aramäer, Juden und Galiläer. Sie wird heute noch in der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien zum Lesen und Schreiben verwendet.

Niemand in Palästina und Aram (Syrien) würde sich nur für einen Augenblick dem Gedanken hingeben, die armen und schlichten galiläischen Nachfolger Jesu, die Fischer, Hirten und Bauern waren, könnten es je versucht haben, einer Ansprache oder Bekehrung, die in einer anderen als ihrer aramäischen Muttersprache erfolgte, zuzuhören oder gar in einer solchen Fremdsprache zu schreiben. Die Apostel hatten ihren Meister aramäisch sprechen und predigen hören und bedienten sich selbst der gleichen Sprache, sowohl in ihren täglichen Gesprächen und Vorträgen als auch in ihren Briefen an Verwandten und Glaubensbrüder.

Die Übersetzer des Neuen Testaments ins Griechische mussten für ihre Übertragung in diese europäische Sprache, aramäische Vorlagen zur Hand gehabt haben. Wie hätten sie ihre Arbeit sonst ausführen können? Hätten sie über keine schriftlichen Unterlagen verfügt, wie könnten wir dann an die Wahrheit dessen glauben, was sie niederschrieben? Wer sollte wagen, ohne sich auf einen dem Original entsprechenden Text stützen zu wollen, Shakespeare ins Russische oder Chinesische zu übertragen.

Vor der Übersetzung des Neuen Testaments ins Griechische war das Aramäische die Kirchensprache der zum Christentum Bekehrten, genauso wie heute noch das Arabische des Korans die heilige Sprache für Millionen von Islamisten ist, die vielfach ganz andere Muttersprachen haben, wie z. B. die Perser, Pakistani, Indonesier u.a.m. In der mittel- und westeuropäischen Christenheit war hingegen das Lateinische viele Jahrhunderte lang die Kirchensprache.

Nach der Übersetzung des Neuen Testaments ins Griechische legte man die aramäischen Originale in Griechenland beiseite. Sie gingen dort im Lauf der Zeit verloren, wie dies gleichermaßen mit den Urschriften mancher philosophischer und literarischer Werke geschehen ist. Wo sind z. B. die Originale der mosaischen Gesetze oder der Bücher Jesajas und Jeremias, Platos und Aristoteles? Man muss sich vergegenwärtigen, dass es - im Gegensatz zu heute - in jenen weit zurückliegenden Zeiten kaum irgendwo Bibliotheken oder gar Museen gab, in welchen Bücher sicher aufbewahrt werden konnten. Aber auch dort fielen sie wie in den Wohnhäusern bei Revolutionen, Verfolgungen und Kriegen der Vernichtung anheim. Dazu kommt noch, dass ein fremdes Originalmanuskript fast oder ganz wertlos wird, sobald sein Inhalt einmal in die Umgangssprache der neuen Benützer übertragen worden ist.

Es ist daher nicht unbegreiflich, dass die aramäischen Originale des Neuen Testaments in Griechenland und Italien verloren gegangen sind. Altaramäische Manuskripte, die von den ursprünglichen Originalen abgeschrieben worden waren, blieben jedoch im Irak (Aram-Nahrin), in der Türkei und im Iran erhalten, wo das Aramäische in gewissen Gegenden noch stets die Umgangssprache und für die Aramäer und Chaldäer die Schriftsprache ist. Diese Kopien werden in den Kirchen aufs sorgfältigste aufbewahrt und befinden sich in der Obhut der Bischöfe und Priester. Es wird den westlichen Leser interessieren zu wissen, dass man im Nahen Osten Manuskripte, die alt oder defekt werden, mit der größten Präzision abschreibt und die Vorlagen danach verbrennt. Der Verfasser hat wiederholt solchen Vernichtungen von schadhaft gewordenen alten Schriften persönlich beigewohnt. Diese auffallende Sitte beruht darauf, dass Orientalen jedes Wort der Schrift als heilig betrachten und darum das Forstbestehen schadhaft gewordener heiliger Bücher nicht zuzulassen wünschen.

Von daher - wie das häufig geschieht - die Frage gestellt wird: "Wo sind die Originale des von den Aposteln geschriebenen Neuen Testaments?", dann lautet die Antwort: "Diese im Lauf der Zeit unansehnlich gewordenen oder auch beschädigten Originale wurden Buchstabe für Buchstabe aufs exakteste kopiert und danach verbrannt". Solche von Hand geschriebene Kopien der Urschriften sind ohne die geringsten textlichen Veränderungen durch die Jahrhunderte hin bis auf unsern heutigen Tag erhalten geblieben, und zwar in der gleichen aramäischen Sprache und Estrangeloschrift, in welcher die Originale von den Aposteln verfasst worden sind.

In der ganzen langen Geschichte der Kirche von Antiochien wird nie erwähnt, die aramäischen heiligen Schriften seien zu irgendeiner Zeit je einmal verloren gegangen. Auch besteht kein Hinweis auf eine Übersetzung aus dem Griechischen. Andererseits aber rühmen die Christen der Kirche von Antiochien sich mit Recht, dass sie allein imstande gewesen sind, die Heilige Schrift von den apostolischen Zeiten an ohne irgendwelche Revisionen zu bewahren und vor Änderungen oder Fälschungen zu schützen.

Zur Zeit, da das Neue Testament in europäische Sprachen übersetzt wurde, kannte man die aramäischen Dokumente in Europa noch nicht. Griechisch war die erste europäische Sprache des westlichen Christentums. Hieronymus (* ca. 345, Ü 419) übersetzte die Bibel im vierten Jahrhundert ins Lateinische (Vulgata). Damals war das übrige Europa nicht bekehrt. Deshalb wurde die Heilige Schrift in diesen ersten Jahrhunderten - außer der Übersetzung ins West-Gothische durch den im Jahre 341 von Eusebius von Nikomedia zum Bischof geweihten Ulfilas - in keine der andern europäischen Sprachen übertragen.

Das Osterfest ist der Höhepunkt des Kirchenjahres.